Ein Abschied voller Dankbarkeit: Pfarrer Björn Mensing und sein Vermächtnis der Versöhnung
Gestern war ein denkwürdiger Tag in Dachau – Pfarrer Björn Mensing wurde mit einem feierlichen Gottesdienst in der Friedenskirche in den Ruhestand verabschiedet. Über 300 Gäste strömten herbei, um diesen besonderen Moment zu feiern, darunter prominente Gäste wie Charlotte Knobloch, Ernst Grube und Bodo Ramelow. Die Atmosphäre war erfüllt von Dankbarkeit und Wertschätzung für die Arbeit, die Mensing über die Jahre geleistet hat.
Charlotte Knobloch, die selbst ein Symbol für die Auseinandersetzung mit der Geschichte ist, hob in ihrer Ansprache Mensings moralischen Kompass hervor. Sie sprach von seiner Fähigkeit, Hoffnung zu vermitteln und die Bedeutung der Vergangenheit stets im Blick zu haben. Es war, als würde man in die Gesichter der Anwesenden schauen und die tiefen Emotionen spüren. Auch Münchens Regionalbischof Thomas Prieto Peral ließ es sich nicht nehmen, Mensings Engagement für die NS-Geschichte zu würdigen. Seine Worte waren ein klarer Ausdruck von Respekt und Bewunderung, besonders als er Mensings Detailwissen und Vernetzungsgabe lobte.
Ein unermüdlicher Mahner
Ernst Grube, ein weiterer Redner, beschrieb Mensing als einen toleranten Menschen, der sich mit Sorgfalt und Zivilcourage der Erinnerungsarbeit widmete. Die ständige Auseinandersetzung mit der Vergangenheit, die Mensing so leidenschaftlich vorantrieb, ist ein wesentlicher Bestandteil seiner Arbeit. Karl Freller, Stiftungsdirektor der Stiftung Bayerische Gedenkstätten, bezeichnete ihn treffend als einen Mahner und Brückenbauer, der Vergangenheit und Gegenwart miteinander verknüpfte.
Seit seinem Amtsantritt in der Versöhnungskirche im Jahr 2005 hat Mensing unzählige Zeitzeugengespräche, Lesungen und Ausstellungen organisiert. Er schuf Räume für Dialog und Reflexion, in denen die Menschen die Geschichte nicht nur lernen, sondern auch fühlen konnten. Jetzt plant er, nach Lüneburg zurückzukehren, und schaut optimistisch in die Zukunft der Versöhnungskirche. Er ist überzeugt, dass sein Nachfolger, Pfarrer Michael Lorenz, der zuvor in der Dietrich-Bonhoeffer-Kirche in Germering tätig war, die Fackel weitertragen wird.
Ein Appell an die Kirche
Mit einem letzten Appell richtete sich Mensing an die Evangelische Kirche in Deutschland und die bayerische Landeskirche. Er bat darum, die Mittel für die Versöhnungskirche nicht zu reduzieren – ein eindringlicher Hinweis auf die Wichtigkeit der Erinnerungsarbeit in unserer heutigen Zeit. Denn nur wenn wir aus der Vergangenheit lernen, können wir eine bessere Zukunft gestalten.
Die neue zuständige Kirchenrätin im Landeskirchenamt, Rebecca Scherf, wird in den kommenden Monaten ebenfalls eine Schlüsselrolle spielen, da sie sich bereits intensiv mit der NS-Geschichte beschäftigt hat. Man kann nur hoffen, dass die inspirierende Arbeit von Björn Mensing in guten Händen bleibt und die Räume der Versöhnung auch weiterhin lebendig bleiben. Es ist eine ständige Herausforderung, die Erinnerung wachzuhalten und die Stimme der Vergangenheit in die Gegenwart zu tragen – ein Prozess, der nie enden sollte.
Heute, am 13.07.2026, bleibt die Erinnerung an diesen emotionalen Gottesdienst und an die Worte, die gesprochen wurden, lebendig. Die Versöhnungskirche wird weiterhin ein Ort des Dialogs und der Reflexion sein, und die Menschen werden weiterhin zusammenkommen, um die Lehren der Geschichte zu bewahren.
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