Heiko Oehrl hat in Gemünda rund zwei Hektar seiner Christbaumplantage in den Frühling vorbereitet. Während andere Gärtner bereits kräftig ihre Gemüsegärten bepflanzen, beschäftigt sich Oehrl schon heute, am 24. April 2026, mit den Vorbereitungen für das kommende Weihnachtsfest. Was ihn antreibt? Die Vorfreude auf die Weihnachtszeit und die Leidenschaft für die Weihnachtsbaumproduktion.

Der Aufwand ist groß und erfordert regelmäßige Pflege. Dazu zählt das Zwicken der Bäume, ein essenzieller Prozess, damit sie die gewünschte Form bekommen. Oehrl hat sich eine clevere Unterstützung gesucht: Schafe sorgen dafür, dass das Unkraut unter Kontrolle bleibt. Diese natürliche Methode ist nicht nur nachhaltig, sondern macht auch das Arbeiten auf der Plantage angenehmer.

Ein Blick auf die Branche

In Deutschland gibt es viele Weihnachtsbaumproduzenten, auch in Hessen, wo etwa 50 Betriebe tätig sind. Hier liegt die durchschnittliche Betriebsgröße zwischen einem und drei Hektar. Oft werden Jungbäume im Alter von etwa drei Jahren von Baumschulen in die Weihnachtsbaumkulturen gesetzt. Dabei spielt die Wahl der Pflanze eine große Rolle: Wurzelnackte Pflanzen sind zwar günstiger, setzen sich aber nicht immer so gut durch wie die mit Wurzelballen.

Um eine etwa zwei Meter hohe Nordmanntanne zu ernten, benötigt man im Schnitt ganze sechs bis acht Jahre. In den ersten drei Jahren nach der Pflanzung ist der Konkurrenzdruck durch Unkraut hoch, was einen hohen Pflegeaufwand erfordert. Mechanische Methoden und Schafe wie im Fall von Oehrl helfen, das Beikraut in Schach zu halten.

Herausforderungen für die Zukunft

Allerdings sind die Herausforderungen nicht nur auf die Pflege beschränkt. Auch Witterungseinflüsse spielen eine entscheidende Rolle. Klimawandel, Spätfröste und zunehmende Wetterextreme stellen die Weihnachtsbaumproduktion vor große Probleme. In den Jahren 2018 bis 2020 verzeichneten viele Betriebe in Neuanpflanzungen Ausfälle von bis zu 80 Prozent. Regelmäßige Niederschläge können zudem das Risiko von Pilzkrankheiten erheblich steigern, was gezielte Pflanzenschutzmaßnahmen notwendig macht.

Oehrl und Kollegen müssen sich also nicht nur um die Bäume kümmern, sondern auch ständig anpassungsfähig bleiben und innovative Lösungen entwickeln. So kann der Einatz von Wachstumsregulatoren oder die Einrichtung von Sitzstangen für Greifvögel, die gegen Wühlmäuse helfen, Teil des Handwerkszeuges eines modernen Weihnachtsbaumproduzenten sein.

Mit dieser Mischung aus Tradition und Innovation bleibt die Weihnachtsbaumproduktion in Bayern ein wichtiges und lebendiges Geschäft – auch wenn es heute noch früh ist für die ersten Weihnachtsmärkte und festlichen Vorbereitungen.

Wenn man also durch Gemünda spaziert und die Pflege der Christbaumplantage sieht, wird einem klar: Hier wird nicht nur einfach gearbeitet, hier wird für die Zukunft festgelegt, dass die Freude am Weihnachtsbaum auch weiterhin bestehen bleibt. Heiko Oehrl macht mit seinem Engagement nicht nur ein gutes Geschäft, sondern trägt auch zur Bewahrung einer schönen Tradition bei.

Mehr Informationen zu Weihnachtsbaumproduktionen finden Sie unter NP Coburg sowie LLH Hessen.