Am 1. Mai ist es wieder so weit: In zahlreichen bayerischen Gemeinden wird das fröhliche Brauchtum des Maibaumaufstellens gefeiert. Besonders hervorzuheben ist das Vorgehen in Kirchseeon, im Landkreis Ebersberg, wo der stolze Maibaum traditionell ohne Kran aufgestellt wird. Immerhin bringt dieser mit seinen 31 Metern Höhe und zwei Tonnen Gewicht eine ganz besondere Herausforderung mit sich. Etwa 50 kräftige Männer sind gefordert, um den Baum mithilfe von Stangen in die Höhe zu schieben. Frauen sind in dieser Tradition bisher kaum vertreten, doch beobachten wir zunehmend, dass auch sie sich in diesen Kraftakt einbringen möchten.
Um die Sicherheit zu gewährleisten, wird in Kirchseeon dennoch ein Kran eingesetzt, um den Baum mit einem Schlappseil zu sichern. Das ist nicht unbegründet, denn es gab bereits einige schwere Unfälle beim Aufstellen von Maibäumen. Doch nicht nur das Aufstellen selbst, sondern auch die Zeremonie ist von Bedeutung: Begleitet von Blasmusik erwacht das Dorf zum Leben und endet oft mit einem fröhlichen Tanz in den Mai. Alle fünf Jahre wird der Maibaum erneuert, da die Bäume im Laufe der Zeit morsch werden.
Die Maibäume und ihre Bedeutung
Der Maibaum ist nicht nur ein einfacher Baum, sondern ein kunstvoll geschmücktes Symbol, das zum 1. Mai oder zu Pfingsten aufgestellt wird. In vielen Regionen Deutschlands, aber auch in Österreich und Teilen der Schweiz ist diese Tradition weit verbreitet. In Bayern beispielsweise dürfen die Maibäume nicht höher sein als der Kirchturm, um den Respekt vor der Kirche zu zeigen. Zudem werden die Maibäume mit Zunfttafeln und traditionellen Kränzen geschmückt, die oft die Handwerkszünfte und Gewerbe repräsentieren.
Ein weiterer spannender Teil des Maibaum-Brauchtums ist der Maibaumklau – eine witzige Tradition, die das Nachbarschaftsleben auflockert und Rivalitäten auf eine humorvolle Art und Weise fördert. Hierbei dürfen ungeschmückte Bäume als Teil der spielerischen Wettkämpfe gestohlen werden, was den typischen „Lösegeld“-Austausch mit Bier und Brotzeit zur Folge hat. Diese Tradition hat ihren Ursprung in der Darstellung von Zünften und Gewerben, und ist mittlerweile in vielen Dörfern zu einem lieb gewonnenen Brauch geworden.
Regeln und rechtliche Aspekte
Beim Maibaumklau ist jedoch zu beachten, dass der Baum nur gestohlen werden darf, wenn er sich innerhalb der Ortschaft befindet und dass nur der Stamm und nicht die Dekoration entwendet werden darf. Erfolgreiche Diebe lagern ihren gestohlenen Baum außerhalb der Gemeindegrenzen, damit er als erfolgreich geklaut zählt. Das Erstatten einer Anzeige gegen diesen Brauch gilt als unehrenhaft und ist in vielen Gemeinden ein absolutes Tabu.
Aber es gibt auch rechtliche Rahmenbedingungen zu beachten. Sachbeschädigung, Hausfriedensbruch und Ruhestörung könnten mögliche Konsequenzen sein. Doch viele Diebe versuchen, in der Nacht leise zu bleiben und so unbemerkt zu agieren. In den letzten zehn Jahren hat die Polizeiinspektion Wunsiedel keinerlei Anzeigen wegen Maibaumklau verzeichnet – ein Zeichen für den respektvollen Umgang mit dieser Tradition.
Zusammenfassend lässt sich sagen, dass die Maibaum-Tradition nicht nur tief in der bayerischen Kultur verwurzelt ist, sondern auch das Gemeinschaftsgefühl stärkt und Generationen verbindet. Der tiefere Sinn des Maibaumaufstellens und der Brauch des Klauens zeigt, wie lebendig und vielfältig bayerisches Brauchtum ist, das auch in Zukunft Bestand haben wird.
Für mehr Informationen über den Maibaum und seine Traditionen besuchen Sie die Berichte von np-coburg, frankenpost und Wikipedia.