In Bad Kötzting stehen die Zeichen auf Festlichkeit! Am Samstag, dem 9. Mai, wird die mit Spannung erwartete Ausstellung der Kleider der Pfingstbräute eröffnet. Über 60 prächtige Gewänder, die von ehemaligen Pfingstbräuten getragen wurden, finden ihren Platz im Postsaal. Diese Ausstellung ist nicht nur ein farbenfrohes Spektakel, sondern auch ein wichtiger Teil des Jubiläums „600 Jahre Kötztinger Pfingstritt“. Ein Ereignis, das tief in der Geschichte verwurzelt ist und weit über die Grenzen des kleinen Städtchens hinaus bekannt ist.
Die Kleider, die von 1961 bis 2024 ausgestellt werden, erzählen Geschichten und Traditionen, die über Generationen weitergegeben wurden. Die Verantwortlichen haben das Foyer in diesem Jahr vollständig genutzt, um die umfangreiche Sammlung zu präsentieren. Die Öffnungszeiten sind großzügig gestaltet: Werktags von 14 bis 19 Uhr und am Wochenende sowie an Christi Himmelfahrt von 10 bis 17 Uhr. Und das Beste? Der Eintritt zur Ausstellung ist frei! Für die, die mehr über die Hintergründe erfahren möchten, steht eine informative Broschüre zum Preis von acht Euro bereit.
Eine Tradition, die verbindet
Der Pfingstritt ist nicht nur eine lokale Tradition, sondern eine der größten berittenen Bittprozessionen Europas. Ursprünglich geht das Gelöbnis aus dem Jahr 1412 zurück, als ein Sterbender in Steinbühl um die Sterbesakramente bat und die Kötztinger Burschen dem Pfarrer Geleit gaben. Nach seiner erfolgreichen Rückkehr wurde versprochen, den Ritt jährlich zu wiederholen. Und so zieht es jedes Jahr am Pfingstmontag rund 700 Reiter auf geschmückten Pferden und in traditionellen Trachten nach Steinbühl. Es ist ein Anblick, der die Herzen höher schlagen lässt!
Begleitet vom Geläut der Kirchenglocken verlassen die Reiter die Stadt und erneuern das Gelöbnis. Angeführt von einem Kreuzträger und gefolgt von Laternenträgern, Fanfarenbläsern sowie einem Geistlichen Offiziator, wird der Ritt zu einem festlichen Ereignis. Besonders herausragend ist der Pfingstbräutigam, der mit seinen zwei Brautführern reitet, gefolgt vom Vorjahres-Pfingstbräutigam, der die Marktfahne trägt. Es ist ein Moment voller Ehrfurcht und Gemeinschaftsgeist.
Ein spirituelles Fest
Bereits an vier Stationen wird das Evangelium verkündet und die Fluren mit der Monstranz gesegnet. In der Wallfahrtskirche St. Nikolaus in Steinbühl findet dann ein Reitergottesdienst statt, der die Seele berührt. Nach einer kurzen Pause für die Pferde und Reiter kehrt die Prozession um 12 Uhr nach Bad Kötzting zurück. Der kirchliche Teil des Festes endet mit einem feierlichen Akt, dem eucharistischen Segen und der Überreichung des Tugendkränzchens. Man könnte sagen, es ist mehr als nur ein Ritt; es ist eine lebendige Tradition, die tief in den Herzen der Menschen verankert ist.
Im Jahr 2004 nahm Dr. Gerhard Ludwig Müller, der Bischof von Regensburg, erstmals am Pfingstritt teil und erließ ein Dekret, das diesen zu einer Eucharistischen Prozession erhob. Das Mitführen des Allerheiligsten wurde damit wieder erlaubt, nachdem es seit dem Erlass von Bischof Ignatius von Senestry im Jahr 1869 verboten war. Diese Rückkehr zu den Wurzeln hat dem Pfingstritt eine neue Dimension gegeben, die die Gemeinschaft weiter zusammenschweißt.
Im Jahr 2015 wurde der Kötztinger Pfingstritt sogar in das Bayerische Landesverzeichnis des immateriellen Kulturerbes aufgenommen. Ein wahrhaft bemerkenswerter Schritt, der die Bedeutung und den kulturellen Wert dieses Brauchs unterstreicht. Die Ausstellung der Kleider der Pfingstbräute ist somit nicht nur eine Hommage an die Tradition, sondern auch ein wichtiger Teil der lebendigen Geschichte Bad Kötztings. Es lohnt sich, einen Blick in die Vergangenheit zu werfen und die Farben und Geschichten dieser besonderen Tage zu erleben!