Über 80 Interessierte haben an der letzten Dorfführung von Cham Tourismus teilgenommen, die durch die architektonische Vergangenheit des Städtchens führte. Historiker Thomas Fähndrich, der die Führung leitete, führte die Teilnehmer vorbei an bemerkenswerten Gebäuden, die das Dorfbild von Cham geprägt haben. Der Startschuss fiel auf dem Dorfplatz, wo die Runde begann und gleich auf den eindrucksvollen Lorzensaal lenkte. Entworfen von Josef Stöckli und seit 1992 eröffnet, ist der Lorzensaal besonders für seine runde Form und die Materialwahl bekannt.

Josef Stöckli ist eine zentrale Figur in der Geschichte der Architektur in Cham. Er hat nicht nur den Lorzensaal entworfen, sondern auch das Schulhaus Röhrliberg sowie die markanten Hochhäuser im Alpenblick realisiert. Stöcklis Architekturstil zeichnet sich durch dieIntegration der Gebäude in ihre Umgebung und unregelmäßige, bewegte Silhouetten aus. Diese Eigenschaften schließen eine Vielzahl von über 30 Bauprojekten ein, die Stöckli in Cham verwirklicht hat. Für sein Engagement erhielt er im Jahr 2010 den dritten Anerkennungspreis der Bürgergemeinde Cham, was die Bedeutung seiner Arbeiten unterstreicht. Bürger Cham berichtet, dass dieser Preis alle zwei Jahre vergeben wird und herausragende Beiträge zur Verbesserung der Wohn- und Lebensqualität honoriert.

Die besonderen Baumeister Chams

Doch nicht nur Stöckli hat Cham maßgeblich geprägt. Hans Miesch, der ab 1904 tätig war, hinterließ ebenfalls bedeutende Spuren in der Stadt. Er baute als Heimatstil-Architekt das Gebiet vom Kirchbühl bis hin zum Bahnhof und setzte dabei auf ländliche Wurzeln. Besonders auffällig sind seine verwendeten Materialien: geschnitztes Holz, behauener Stein und geschmiedetes Eisen, wie etwa am Beispiel des Hotel Bahnhof zu sehen.

Ein weiterer herausragender Architekt war Otto von Rotz, dessen Werke von Wohnhäusern bis zu Wetterhäuschen reichen und das Pfarreiheim sowie die Badi Hirsgarten beinhalten. Letztere hat seit 2019 den Status eines geschützten Gebäudes und gilt als Beispiel für die frühe Nachkriegsmoderne. Wilhelm Hauser, der Hofarchitekt der Papieri, entwarf das Portierhaus und die Häuser an der Gartenstraße und schuf zudem das Technikum für die Milchfabrik, das den Charme englischer Gartenstadtbauten versprüht.

Ein Erbe für die Zukunft

In der Führung fand auch eine besondere Würdigung des Architekten Erich Weber statt, dessen Schüler Max Schnurrenberger kürzlich seinen 90. Geburtstag feierte. Weber hat unter anderem das Altersheim und den Neubau der Andreas-Klinik entworfen. Seine Kontakte und Verbindungen innerhalb der Architekturszene sind unermüdlich, und er hat viele junge Talente geprägt und gefördert.

Stöckli selbst schlug in seiner Dankesrede zu seinem Preis neue Visionen für Cham vor, die eine Transformation des Ortes von einem Strassendorf zu einer lebendigen Kleinstadt skizzieren. Dabei appellierte er, den menschlichen Maßstab in der Stadtentwicklung mehr zu berücksichtigen und den Verkehr in angemessene Bahnen zu lenken. So bleibt festzuhalten, dass die architektonischen Meisterwerke und deren Geschichten nicht nur einen bleibenden Eindruck hinterlassen, sondern auch als Inspiration für zukünftige Generationen dienen können. Zuger Zeitung berichtet weiterhin von der lebendigen Diskussion über die bauliche Zukunft Chams, die auch nach der Tour angestoßen wurde.