Heute ist der 24.05.2026, und im malerischen Berchtesgadener Land brodelt es in der Forst- und Jagdpolitik. Bei der Hegeschau des KJV BGL in Surheim hat Baron Eberhard von Gemmingen Hornberg, stellvertretender Präsident des Bayerischen Jagdverbandes, klare Worte gefunden. Nach über 30 Jahren, in denen er den Forstbetrieb seiner Familie in Nordbayern leitete, weiß er, wovon er spricht. Es ist an der Zeit, beim Thema Waldumbau umzudenken, und das geht nur mit einem neuen Ansatz. „Wald vor Wild“ – dieser Slogan ist für ihn problematisch. Stattdessen plädiert er für „Wald mit Wild“. Ein harmonisches Miteinander scheint hier der Schlüssel zu sein.
Die Unzufriedenheit in Südbayern mit den waldbaulichen Zielen ist seit Jahrzehnten spürbar. Trotz Jagdzeitverlängerungen und strengen Abschussplänen blieben die gewünschten Erfolge aus. Der Baron kritisiert nicht nur die Jagd, sondern sieht auch die Notwendigkeit einer gründlichen Ursachenforschung. Wildtiere und Jagd sollten eine Einheit bilden, statt sich gegenseitig in die Quere zu kommen. In seinem Forstbetrieb liegt der Fokus darauf, Wildschäden zu minimieren, anstatt die Wildbestände einfach zu reduzieren. Eine kluge, wildökologische Raumplanung könnte helfen, die Konflikte zu entschärfen und das Image Bayerns erheblich zu verbessern.
Ein neuer Blick auf das Ökosystem Wald
Spannend ist auch, dass das Bundeswaldgesetz überarbeitet wird – eine echte Seltenheit, denn das letzte Mal ist fast fünf Jahrzehnten her! Bis zum Frühjahr 2024 soll die Revision abgeschlossen sein, und das Ziel ist klar: den Wald als Ökosystem und Lebensraum für Wildtiere und Pflanzen in den Vordergrund zu rücken. Der Deutsche Jagdverband (DJV) fordert, die Bewirtschaftung und die forstliche Rahmenplanung besser zu integrieren. Auch hier wird deutlich, dass Wälder in Deutschland stark vom Menschen geprägt sind und mehr sind als nur Holzlieferanten. Es geht um die Schaffung artenreicher und klimaresilienter Wälder.
Ein zentrales Anliegen des DJV ist die wildökologische Raumplanung. Dabei wird die räumliche Verteilung von Wildtieren als entscheidender Faktor betrachtet, der oft wichtiger ist als die bloße Bestandsgröße. Ruhezonen und alternative Äsungsflächen sind essentielle Elemente, um Wildschäden vorzubeugen. Komischerweise wird auch die Besucherlenkung als wichtiges Element zum Schutz von Wildtieren hervorgehoben – der Mensch ist also nicht nur der Feind der Natur, sondern kann auch Teil der Lösung sein.
Richtungsweisende Ansätze für die Zukunft
Die neue Gesetzgebung sollte auch die Möglichkeit bieten, das Betretungsrecht des Waldes zur Erholung einzuschränken, wenn es die Erhaltung des Ökosystems erfordert. Jeder Waldeigentümer wird dazu aufgefordert, seine waldbaulichen Ziele klar zu definieren – ein Schritt, der die gesamte Forstwirtschaft in eine neue Richtung lenken könnte. Forstfachliche Gutachten werden notwendig sein, um die Anzahl unverbissener Bäume und die Lebensraumparameter zu dokumentieren. Wichtige Faktoren für eine erfolgreiche Waldverjüngung sind unter anderem Ruhezonen, alternative Äsung für Wildtiere sowie der Lichteinfall am Boden. Eine objektive Einschätzung der lokalen Wildschadenssituation könnte also bald Realität werden.
Der Austausch zwischen Jagd und Forstwirtschaft wird also immer wichtiger. Der Baron sieht in der wildökologischen Raumplanung nicht nur eine Möglichkeit zur Konfliktlösung, sondern auch einen Weg, das Image Bayerns als Vorreiter in der nachhaltigen Forstwirtschaft zu stärken. Es bleibt spannend, wie sich diese Entwicklungen in den kommenden Jahren entfalten werden.
