Heute ist der 18.06.2026, und in Bayreuth brodelt es gewaltig. Der Schauplatz der legendären Bayreuther Festspiele steht einmal mehr im Fokus, doch diesmal ist es nicht die Kunst, die die Gemüter erhitzt. Michel Friedman, der prominente Publizist und Kulturkritiker, sollte eigentlich Ende Juli eine Rede bei einer Gedenkveranstaltung zu 150 Jahren Bayreuther Festspiele halten. Doch die Veranstaltung wurde abgesagt – aus Sicherheitsgründen, heißt es. Ein Grund, der nicht nur Friedman, sondern auch viele andere in der Kulturszene aufhorchen lässt.

Die Absage kam, wie ein Blitz aus heiterem Himmel. Friedman, der in der Vergangenheit bereits aus anderen Veranstaltungen „aus Sicherheitsgründen“ ausgeladen wurde, äußerte sich scharf in der „Süddeutschen Zeitung“. Für ihn ist die Entscheidung problematisch für eine Demokratie. Er kritisierte, dass die Auseinandersetzung mit Richard Wagners antisemitischen Ansichten ad absurdum geführt werde. Das Gedenken an die jüdischen Musiker, die während der Naziherrschaft ausgegrenzt und ermordet wurden, sollte ein Zeichen der Aufarbeitung setzen. Doch stattdessen bleibt die Veranstaltung nun in der Warteschleife.

Die Gründe für die Absage

Die künstlerische Leiterin der Festspiele, Katharina Wagner, verteidigte die Absage in der Zeitung „Die Welt“ und nannte gleich zwei Gründe: Zum einen müsse auf das Sicherheitskonzept der Stadt Bayreuth gewartet werden, zum anderen war der ursprünglich vorgesehene Veranstaltungsort nicht rechtzeitig fertig. Was bleibt, ist der Eindruck, dass der Termin am 26. Juli nicht mehr haltbar ist und ein Schatten über der 150-jährigen Geschichte der Festspiele liegt.

Friedman ist nicht allein in seiner Enttäuschung. Die Absage entzündet eine Diskussion, die in Bayreuth und darüber hinaus viele zu beschäftigen scheint. Die Festspielleitung hatte geplant, das Gedenkkonzert unter dem Titel „Verstummte Stimmen“ zu veranstalten – ein Titel, der vielschichtig ist und eine tiefere Bedeutung trägt. Wer könnte besser darüber sprechen als Friedman, der sich intensiv mit der Vergangenheit auseinandersetzt?

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Ein dunkles Erbe

Die Verbindung zwischen Wagner und der NS-Ideologie ist unübersehbar. Richard Wagner, der als Antisemit gilt, hat nicht nur mit seiner Musik, sondern auch mit seinen Äußerungen einen bleibenden Einfluss auf die Festspiele ausgeübt. Winifred Wagner, seine Schwiegertochter und Festspielleiterin während der NS-Zeit, äußerte 1975 ihre positive Einstellung zu Adolf Hitler – das wirft Fragen auf. In dieser Gemengelage aus Kunst und dunkler Geschichte wird die Absage von Friedmans Rede zu einem weiteren Puzzlestück in der Debatte um die Aufarbeitung der Vergangenheit.

Ein Gedenkkonzert, das an die vergessenen Stimmen der jüdischen Musiker erinnern sollte, bleibt nun aus. Unklar ist, ob Friedman überhaupt nach Bayreuth reisen wird. Es ist nicht das erste Mal, dass er aufgrund von Sicherheitsbedenken aus einer Veranstaltung ausgeladen wurde. Im September 2022 war dies bereits im Literaturhaus Uwe Johnson in Klütz geschehen. Dennoch ließ sich Friedman nicht unterkriegen – er nahm an einer anderen Veranstaltung des PEN Berlin teil und zeigte, dass er für seine Überzeugungen einsteht.

Die Diskussion um Wagners Erbe, die Bedeutung von Kunst in einer demokratischen Gesellschaft und die Herausforderungen von Sicherheit und Meinungsfreiheit – all diese Themen sind aktuell wie nie zuvor. In einer Zeit, in der die Auseinandersetzung mit der eigenen Geschichte unerlässlich ist, könnte man sich fragen: Was bleibt von einem Gedenken, das nicht stattfinden kann?

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