Heute ist der 1.05.2026 und die Stadt Bamberg feiert einen besonderen Anlass: Die Uraufführung des Stücks „Vernissage“ von Robert Seethaler, einem der bekanntesten zeitgenössischen Schriftsteller Österreichs. Seethaler, berühmt für literarische Bestseller wie „Der Trafikant“ und „Ein ganzes Leben“, wagt sich mit diesem Werk zum ersten Mal auf die Theaterbühne und bringt die Geschichte um die Galerie der Kayserlings auf die Bretter, die die Welt bedeuten.
Das Stück, unter der Regie von Jana Vetten, die bereits für ihre herausragende Arbeit mit dem Faust ausgezeichnet wurde, spielt in der Galerie Kayserling. Hier eröffnet Alexander, ein aufstrebender Künstler, seine erste Einzelausstellung. Doch die Vernissage wird schnell von familiären Konflikten und emotionalen Spannungen überschattet. Im Mittelpunkt stehen der Patriarch Wilbert Kayserling, der im Rollstuhl sitzt, und seine Kinder Peter und Henriette, wobei Peter als der Hauptakteur agiert. Besonders herausfordernd wird es für Hedda, Peters Frau, die mit einem Alkoholproblem kämpft, und Alexander, der sich den ständigen Konflikten mit den anderen Charakteren stellen muss.
Einblicke in die Handlung
Die Handlung thematisiert den Generationswechsel und die Herausforderungen der gewandelten Zeit, was in einem Ensemblestück über das vom Aussterben bedrohte Kulturleben mündet. Peter versucht, einen galeristischen Neuanfang zu wagen, der jedoch das Ende der traditionsreichen Galerie bedeuten könnte. Die Emotionen kochen hoch, und nicht zuletzt wird die dramatische Situation durch die Lichtgestaltung von Volker Nitschke visuell verstärkt. Ein emotionaler Höhepunkt der Aufführung ist die Szene, in der Sophie Angehrn als Lotte das Lied „Running Up That Hill“ interpretiert, was dem Publikum sicherlich noch lange in Erinnerung bleiben wird.
Das Bühnenbild, gestaltet von Genia Leis, zeigt einen astlosen Baum vor einem mandelförmigen Fenster und wurde durch den Theaterverein Bamberg unterstützt. Die Uraufführung, die am 30. April 2026 stattfand, dauert insgesamt 2 Stunden und 30 Minuten, inklusive einer Pause. Die Aufführung wird von der Mara und Holger Cassens Stiftung gefördert und bietet den Zuschauern einen tiefen Einblick in die Komplexität der Charaktere und ihrer Beziehungen.
Ein neues Kapitel für das Theater
Seethalers Werk ist mehr als nur ein Familienroman; es ist eine Reflexion über die Kunst im Moment ihres Verschwindens. In einer Zeit, in der das kulturelle Leben immer mehr unter Druck gerät, ermutigt „Vernissage“ das Publikum dazu, die Bedeutung von Kunst und Kultur zu hinterfragen und die Herausforderungen, die sich aus familiären und gesellschaftlichen Konflikten ergeben, zu erkennen.
Das Ensemble, bestehend aus talentierten Schauspielern wie Florian Walter, Daniel Seniuk, Alina Rank, Barbara Wurster, Daniel Warland, Leon Tölle und Marek Egert, bringt die komplexe Geschichte lebendig auf die Bühne. Mit dieser Uraufführung wird ein neues Kapitel für das E. T. A. Hoffmann Theater in Bamberg aufgeschlagen, und die Zuschauer dürfen gespannt sein, wie sich die Geschichte um die Kayserlings entfalten wird.