Flößerei neu entdecken: Geretsried feiert sein lebendiges Erbe
In Geretsried blüht die Geschichte auf – und das gleich auf eine ganz besondere Art und Weise. Die Ausstellung „Vergessene Wege auf dem Wasser – Die Flößerei auf Isar und Loisach“ hat die Stadt in den Bann gezogen. Es ist kaum zu fassen, wie viele Menschen zur Vernissage strömten. Einige mussten sogar vor der Tür warten! Ex-Bürgermeister Michael Müller war persönlich da und übergab einen Flößerkrug als Leihgabe. Ein schönes Symbol für die Wertschätzung dieses alten Handwerks.
Die Flößerei war in Geretsried im vergangenen Jahrhundert ein wichtiger Wirtschaftszweig, vor allem beim Transport von Kalkstein nach München. Ein kurzer Spaziergang entlang des Kalkofenstraßerl lässt einen die Geschichte förmlich spüren. Hier wird deutlich, wie sehr die Flößerei das Leben der Menschen geprägt hat, und das nicht nur in Geretsried. Der Verein Flößerstraße Wolfratshausen hat zusammen mit dem städtischen Referat Tourismus die Ausstellung ins Leben gerufen, die bis zum 2. August 2026 zu sehen ist.
Ein Blick in die Vergangenheit
Dritte Bürgermeisterin Ann-Kathrin Güner begrüßte die Gäste mit herzlichen Worten und Landrat Ludwig Schmid erzählte von seiner Urgroßmutter, die in der Flößerei arbeitete. Die Erinnerungen an vergangene Zeiten sind lebendig geblieben. Hermann Paetzmann lieferte mit einem Zitat über alte Vorschriften – die das Führen von Flößen durch bestimmte Personen verbot – einen interessanten Einblick in die strengen Regeln jener Zeit.
Die Ausstellung selbst bietet eine faszinierende Reise durch die Geschichte der Flößerei. Gabriele Rüth hat eine beeindruckende Sammlung im Foyer zusammengestellt, die die Anfänge des Handwerks im 12. Jahrhundert beleuchtet. Zwischen den Exponaten finden sich verschiedene Floßtypen, darunter das Ordinarifloß und der Zweiflügler. Es ist fast so, als könnte man das Plätschern des Wassers hören und den Geruch von frischem Holz riechen.
Ein lebendiges Erbe
Ein Höhepunkt der Flößerei war Mitte des 19. Jahrhunderts, als jährlich 5800 Flöße unterwegs waren. Besonders spannend ist, dass bereits 1854 jeden Montag ein Floß nach Landshut, Passau, Linz und Wien fuhr. Heute sind Floßfahrten in München nur noch bis zur Zentrallände in Thalkirchen möglich. Aber in Geretsried wird die Tradition am Leben gehalten. Ein Spiel-Floß wird im Jahr 2024 vor den Ratsstuben errichtet – eine tolle Idee für die Kinder und um das Erbe erlebbar zu machen.
Für dieses Jahr ist zudem eine Veranstaltungsreihe geplant, die Schulprojekte, Vorträge, Filme und Lesungen umfasst. Die Flößerei wird auf vielfältige Weise in das Leben der Stadt integriert. Das macht die Ausstellung zu einem lebendigen Teil der Gemeinschaft.
Die Spuren der Flößerei sind überall in Geretsried zu finden. Der Gasthof Geiger und die Nikolauskapelle tragen zur Geschichte bei und laden dazu ein, mehr über die Vergangenheit zu erfahren. Es ist bemerkenswert, wie die Stadt ihre Wurzeln in der Flößerei nicht nur bewahrt, sondern auch aktiv feiert.
Die Ausstellung wird von kostenlosen Führungen begleitet, die am 21. Juni, 5. Juli, 19. Juli und 2. August angeboten werden. Eine Anmeldung ist erforderlich, aber das sollte kein Hindernis sein – es lohnt sich auf jeden Fall, in die Geschichte der Flößerei einzutauchen!
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