Die Glocken der evangelischen Johanneskirche in Bad Tölz, diese drei stillen Zeugen einer hunderjährigen Geschichte, haben kürzlich ihr großes Jubiläum gefeiert. Ja, tatsächlich! Am 5. Mai 1926 wurden sie feierlich geweiht, und seitdem läuten sie für die Gemeinde, die über die Jahre gewachsen ist und sich verändert hat. Pfarrer Johannes Schultheiß, der sich mit Herz und Seele der Gemeinde widmet, hat uns in einer kleinen Feier an die bewegte Geschichte der Glocken erinnert. Und was für eine Geschichte das ist!

Erinnerungen an den November 1945 kommen wieder hoch, als die Glocken während der Leonhardifahrt läuteten – ein Moment, der vielen Menschen Trost spenden konnte, gerade weil in den Kriegsjahren so viele andere Kirchenglocken eingeschmolzen wurden. Heute, ganz modern, läuten sie elektrisch – ein Knopfdruck genügt, und schon erfüllen sie die Luft mit ihrem wohlbekannten Klang. Ein bisschen schade, dass man nicht mehr die Kraft der Menschen braucht, um sie zum Schwingen zu bringen. Aber so ist die Zeit, nicht wahr?

Ein Fest für die Gemeinde

Das Jubiläum wurde gebührend mit einem Gemeindefest gefeiert, bei dem die Glocken auch besichtigt werden konnten – eine Gelegenheit, die sich viele nicht entgehen ließen. Man konnte die Inschriften lesen, die an Buße, Freiheit und Liebe erinnern. Darunter die Namen ihrer Stifter: Lydia Burgstaller, Erich Gärtner, Helmuth und Ada von Tiedemann. Diese Namen tragen Geschichten in sich, die fast so alt sind wie die Glocken selbst. Und wie sie überhaupt in den Turm gelangten, bleibt ein Rätsel – vielleicht wurde der Turm ja erst nach dem Einbringen der Glocken errichtet? Wer weiß das schon.

Die Geschichte der Glocken ist untrennbar mit der der evangelischen Gemeinde von Bad Tölz verbunden. Sie begann 1842, als sich der erste evangelische Bürger, ein Schreiner aus Kärnten, in dieser schönen Stadt niederließ. Zunächst feierte die kleine Gemeinde ihre Gottesdienste in einem Privathaus, der Pfarrer kam aus München – was für eine Reise damals. Dann, 1880, wurde ein kleines Bethaus an der Schützenstraße errichtet, das erste evangelische Gotteshaus im Oberland. Und von da an wuchs die Gemeinde, auch dank des Kurbetriebs in Bad Tölz, bis der Umbau der Kirche 1926 schließlich die neuen Glocken und den majestätischen Kirchturm brachte.

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Ein Kunstwerk an der Wand

Ein weiterer Schatz der Johanneskirche ist das Altarbild „Kreuzigung“ von Lovis Corinth, das 1897 entstand. Mit seinen expressiven Pinselstrichen und dem dramatischen Thema fängt es die Trauer und das Leid auf ganz besondere Weise ein. Es zeigt den toten Christus am Kreuz, flankiert von zwei mitverurteilten Räubern. Auf der linken Seite Johannes, der die Maria auffängt, und auf der rechten Seite die verzweifelte Maria Kleophae und die leidenschaftliche Maria Magdalena. Ein wahres Meisterwerk, das 1901 als Stiftung des Münchner Fabrikanten Ernst Heckert nach Bad Tölz kam. Wer sich für Kunst begeistert, sollte unbedingt einen Blick darauf werfen – es wird sogar für eine internationale Ausstellung an die Albertina Modern im Jahr 2025 ausgeliehen!

Die evangelische Kirchengemeinde in Bad Tölz zählt rund 2000 Mitglieder, und im Umland sind es noch einmal etwa 1000 mehr. Mit einem breiten Angebot, das Gottesdienste für Krabbelkinder und Zeltlager für Jugendliche umfasst, ist hier für jede Generation etwas geboten. Ehrlich gesagt, es ist schön zu sehen, wie sich die Gemeinde entwickelt hat und wie viele Menschen sich aktiv einbringen.

Heute, am 6. Juli 2026, schlägt das Herz der evangelischen Gemeinschaft in Bad Tölz weiter, während die Glocken, die einst in der Vergangenheit läuteten, auch in die Zukunft hinein klingen. Und die Geschichten, die sie erzählen, werden von Generation zu Generation weitergegeben – ein wunderschöner Kreislauf, der zeigt, dass Traditionen lebendig bleiben, solange Menschen sie mit Leben füllen.

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