In Bad Kissingen wird mit großem Eifer an der Rückkehr des Gradierwerks an der unteren Saline gearbeitet. Der Nordflügel des historischen Bauwerks wird neu errichtet, nachdem die vorherige Version, die 1993 ins Leben gerufen wurde, nach 30 Jahren aufgrund von korrodierendem Stahl nicht mehr den Sicherheitsstandards entsprach. Besonders die Stahlverbindungsmittel hielten dem hohen Chloridgehalt der Sole nicht stand, was die Entscheidung für einen Neubau unumgänglich machte.

Der Neubau wird nun auf eine Rückbesinnung zu traditionellen Bauweisen setzen. Außenstützen, wie sie im frühen 20. Jahrhundert verwendet wurden, finden wieder Verwendung, und es wird weitgehend auf Metall verzichtet. Stattdessen kommen handwerkliche Holzverbindungen zum Einsatz, ergänzt durch eine Zugstange aus Stahl, die geschickt im Holz verborgen wird, um den Kontakt mit der Sole zu vermeiden. Mit nur einem Geschoss wird das neue Gebäude konzipiert, da die Solegewinnung nicht mehr erforderlich ist.

Tradition trifft Moderne

Für den Neubau werden beeindruckende 220 Kubikmeter Lärchenholz aus der Region Spessart verwendet. Dieses Holz wird mit traditionellen Verzapfungen verbunden, was nicht nur die Stabilität, sondern auch den Charme des neuen Gradierwerks unterstreicht. Die Planung erfolgt dabei digital, um höchste Präzision zu gewährleisten. Millimeter-Toleranzen sind eingeplant, um den Trockenschwund des Holzes zu berücksichtigen. Der Bau verläuft bislang reibungslos, lediglich ein Vorfall, bei dem der Kran ausfiel, sorgte für eine kleine Verzögerung.

Ein weiteres Highlight des neuen Gradierwerks wird die Verwendung von 10.000 bis 12.000 Bündeln Schwarzdorn als Reisigmaterial sein. Dieses stammt aus Polen und eignet sich hervorragend für die Soleverteilung. Die Sole wird aus dem Runden Brunnen gepumpt und verdunstet über dem Reisig, was eine wohltuende Wirkung auf die Luftqualität hat. Zudem wird das neue Gradierwerk barrierefrei zugänglich sein und Sitzbänke bieten, die zum Verweilen einladen.

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Ein Ort der Geschichte und Erholung

Im ersten Stock des Turms wird ein Ausstellungsraum zur Geschichte des Gradierwerks eingerichtet, der die Besucher in die faszinierende Vergangenheit dieser traditionsreichen Anlage eintauchen lässt. Die geplante Eröffnung des neuen Gradierwerks ist im Herbst 2026, und die Kosten für den Ersatzneubau belaufen sich auf rund 3,5 Millionen Euro. Damit wird nicht nur ein wichtiger Teil der Stadtgeschichte neu belebt, sondern auch ein Ort der Erholung geschaffen, der die Tradition des Bad Kissinger Kurens am Leben hält.

So wird Bad Kissingen nicht nur um ein architektonisches Highlight reicher, sondern auch um einen Raum, der Geschichte und moderne Baukunst in harmonischer Weise miteinander verbindet. Die Rückkehr zum historischen Bauhandwerk wird nicht nur die Identität der Stadt stärken, sondern auch den Besuchern ein Stück bayerischer Kultur näherbringen.