Klangvolle Wurzeln: Bad Kissingen feiert jüdische Kultur beim 40. Kissinger Sommer
Heute ist der 13.06.2026 und Bad Kissingen strahlt in festlichem Glanz. Der 40. Kissinger Sommer hat seine Pforten geöffnet, und es wird gefeiert, als gäbe es kein Morgen! Das diesjährige Motto „Mazel Tov“ ist nicht nur ein fröhlicher Ausruf, sondern auch eine Hommage an die reiche jüdische Kulturgeschichte dieser Stadt. Ein Rundgang durch die Straßen weckt Erinnerungen an eine Zeit, als die jüdische Gemeinde hier zu den größten in Bayern zählte.
Am 12. Juni, dem ersten Tag des Festivals, erlebten die Besucher ein Eröffnungskonzert der Extraklasse. Unter der Leitung von Iván Fischer spielte das Budapest Festival Orchestra, und die Pianistin Elisabeth Leonskaja brillierte mit Mozarts Klavierkonzert Nr. 24. Der Klang des Orchesters, kombiniert mit der Anmut von Leonskajas Spiel, schwebte förmlich durch die Luft. Aber das war noch lange nicht alles! Robert Schumanns „Rheinische“ Symphonie und die Zugabe mit Clara Schumanns „Gondoliera“ sorgten für Gänsehaut. Es ist kaum zu fassen, dass Leonskaja nach 40 Jahren an diesen Ort zurückkehrt – der Zauber der Musik ist zeitlos.
Ein Blick in die Vergangenheit
Die jüdische Gemeinde in Bad Kissingen hat eine bewegte Geschichte. Bereits im 13. Jahrhundert fanden sich hier jüdische Gemeindeangehörige, und im Jahr 1925 zählte die Gemeinde 504 Mitglieder – die drittgrößte in Unterfranken. Berühmte Gäste wie Albert Einstein und Max Liebermann schätzten den Kurort, der ihnen Ruhe und Inspiration bot. Doch die dunklen Schatten der Geschichte sind nicht zu übersehen: 1933 endete die Hochphase der Gemeinde, und viele mussten fliehen. Die Synagoge wurde in der Pogromnacht 1938 zerstört, und 130 jüdische Bürger aus Bad Kissingen fielen dem Holocaust zum Opfer. Diese Erinnerungen werden im Rahmen des Festivals durch ein Symposium thematisiert, das sich mit der jüdischen Kultur in der Gegenwart auseinandersetzt.
Am Eröffnungstag fand das Symposium „Bad Kissingen als Resonanzraum – Jüdische Kultur im Spiegel der Gegenwart“ statt, bei dem renommierte Diskutanten wie Mirjam Wenzel und Rahel Rilling über aktuelle Herausforderungen sprachen. Themen wie der zunehmende Judenhass wurden offen angesprochen – eine traurige Realität, die uns alle betrifft. Es ist wichtig, solche Diskussionen zu führen, während gleichzeitig die Schönheit und die Vielfalt der jüdischen Kultur zelebriert werden.
Ein Festival der Vielfalt
Das Festival, das bis zum 18. Juli 2026 läuft, hat einiges zu bieten! Neben den großen klassischen Werken werden auch jüdische Komponisten und Künstler ins Rampenlicht gerückt. Es werden Konzerte mit dem Jewish Chamber Orchestra Munich stattfinden, das Werke von Weinberg und Engel spielen wird. Klezmer und Jazz sind ebenfalls Teil des Programms, und es gibt Chansonabende mit bekannten Künstlerinnen wie Meret Becker und Dagmar Manzel. Man kann sich auf eine bunte Mischung freuen, die den Kurort zum Leben erweckt.
Ein besonderes Highlight wird sicherlich Igor Levits Auftritt am 24. Juni sein, wenn er Ravels „Kaddisch“ sowie Werke von Schubert und Beethoven präsentiert.
Für die kommenden Wochen sind auch Sicherheitsaspekte wichtig, die aufgrund der steigenden antisemitischen Tendenzen seit dem 7. Oktober 2023 besondere Beachtung finden. Intendant Alexander Steinbeis unterstreicht die Notwendigkeit, Kultur und Tagespolitik zu trennen, was in diesen turbulenten Zeiten umso bedeutender scheint.
Insgesamt ist der Kissinger Sommer 2026 nicht nur ein Fest der Musik, sondern auch eine Gelegenheit, die Wurzeln und die Vielfalt der jüdischen Kultur in Bad Kissingen zu feiern und in Erinnerung zu rufen. Der Kurort, der einst ein Zentrum jüdischen Lebens war, wird durch die Klänge der Gegenwart lebendig gehalten.
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