In Augsburg, der heimlichen Hauptstadt der Second-Hand-Kultur in Bayern, blüht das Geschäft mit gebrauchter Kleidung wie eine Blumenwiese im Frühling. Fast neun Second-Hand-Läden pro 100.000 Einwohner – das ist nicht nur eine Zahl, sondern ein lebendiger Ausdruck einer Community, die Nachhaltigkeit und Individualität schätzt. Laut einer Untersuchung des Modelabels Liebeskind Berlin aus dem Jahr 2025 ist Augsburg sogar die Stadt mit den meisten Second-Hand-Läden in ganz Bayern. Hier wird Second-Hand nicht nur als günstige Alternative, sondern auch als bewusste Lebensentscheidung angesehen.

Ein ganz besonderes Event hat kürzlich im Kongress am Park stattgefunden: eine Kleidertauschparty, die von Greenpeace Augsburg und dem Team der Bayerischen Eine-Welt-Tage organisiert wurde. Die Atmosphäre war elektrisierend – das Publikum bunt gemischt, von älteren Damen, die mit einem Lächeln und einem kleinen Schmunzeln nach Schätzen suchten, bis hin zu jungen Müttern, die ihre Kinder im Schlepptau hatten. Mirjam, eine 40-jährige Erzieherin, hat gleich acht ihrer Kleidungsstücke mitgebracht. „Ich bevorzuge Second-Hand-Kleidung aus ethischen und ökologischen Gründen“, erzählt sie, während sie durch die Reihen stöbert. Hofflohmärkte und Trödelmärkte sind für sie die perfekten Gelegenheiten, um nicht nur Kleidung, sondern auch Geschichten und Erinnerungen zu finden.

Junge Generation und ihre Vorlieben

Unter den Tauschenden war auch Hendrik Deuber, 21 Jahre alt und einer der wenigen Männer auf der Veranstaltung. Mit einer lässigen kurzen Hose unterm Arm sucht er nach einem neuen Stück für seinen Kleiderschrank. „Ich liebe gebrauchte Kleidung, einfach weil es meist günstiger ist und man so viele ausgefallene Teile findet“, sagt er mit einem Augenzwinkern. Hendrik ist nicht allein. Tessa Rösner, 24 Jahre alt, hat ebenfalls ihre Erfahrungen mit privaten Kleidertauschpartys gemacht und hat eine Schwäche für Vintage-Kleidung. „Die gibt es oft nur einmal und sie erzählt eine Geschichte“, schwärmt sie. Allerdings kritisiert sie die wachsende Präsenz von Fast-Fashion-Marken in Second-Hand-Läden. „Das passt einfach nicht zusammen“, findet sie. Auch ihre Freundin Viktoria Cermak nickt zustimmend und betont die umweltfreundlichen Aspekte des Kleidertauschs. „Das hier ist nicht nur ein Tausch, es ist eine positive Stimmung, eine gemeinsame Vision für eine bessere Zukunft“, sagt sie.

In einer Welt, in der Fast Fashion und Massenproduktion den Kleidermarkt dominieren, ist es erfreulich zu sehen, wie immer mehr Menschen in Augsburg die Wertschätzung für gebrauchte Mode entdecken. Es geht nicht nur um das Schnäppchen, sondern um einen bewussten Lebensstil. Die Begeisterung für Nachhaltigkeit und Individualität wird immer mehr zur Norm. Und während die Sonne an diesem Tag über Augsburg scheint, findet man in den Gesichtern der Teilnehmer*innen den Glanz von Hoffnung und Gemeinschaft, die den Tausch von Kleidungsstücken zu einem viel größeren Ereignis macht.

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