Augsburger Forscherteam erhält Publication Award für bahnbrechende Studie zu POLE-veränderten Darmtumoren
Am 27. Oktober 2026 wurde das Team des Instituts für Pathologie und Molekulare Diagnostik am Universitätsklinikum Augsburg mit dem „Publication Award des Bayerischen Zentrums für Krebsforschung“ ausgezeichnet. Ein Grund zur Freude! Der Preis wird seit 2023 jährlich an Nachwuchsforschende verliehen, die sich durch herausragende onkologische Forschungsarbeiten hervorgetan haben. Und das mit Recht, denn die prämiierte Studie befasst sich mit dem kolorektalen Karzinom, einer Form von Dick- und Enddarmkrebs, die in Deutschland jährlich etwa 61.000 Menschen betrifft. Damit ist diese Krebserkrankung die zweithäufigste in unserem Land.
Die Motivation hinter der Forschung könnte nicht klarer sein: Bei spät diagnostizierten Fällen sind die Behandlungsmöglichkeiten und Überlebenschancen oft begrenzt. Die Studie, die in der renommierten Fachzeitschrift npj Precision Oncology veröffentlicht wurde, beleuchtet die verschiedenen Subtypen von Darmkrebs. Besonders spannend ist, dass einige dieser Subtypen auf Immuncheckpoint-Inhibitoren ansprechen, während andere dies nicht tun. Bisher wird vor allem nach Mikrosatelliteninstabilität gesucht, um geeignete Patientinnen und Patienten auszuwählen.
Innovative Ansätze in der Krebsforschung
Ein zentraler Punkt der Forschung am Universitätsklinikum Augsburg ist der Subtyp mit Veränderungen im POLE-Gen. Diese Veränderungen sind insofern tricky, als dass Tumoren mit POLE-Mutationen bei einer alleinigen Untersuchung des Mikrosatellitenstatus oft übersehen werden. Komischerweise funktioniert die DNA-Reparatur dieser Tumoren grundsätzlich, was die Erkennung zusätzlich erschwert. Dennoch können diese Mutationen zu einer Vielzahl von Erbgutveränderungen führen, die die Tumorzellen für das Immunsystem erkennbarer machen. Hier wird es spannend: Eine Immuntherapie könnte helfen, die Immunabwehr zu aktivieren. Ziel der Studie war es, POLE-veränderte Tumoren mithilfe bereits vorhandener Daten aus der routinemäßigen Krebsdiagnostik leichter zu erkennen. Dazu analysierten die Forschenden 675 Fälle von Darmkrebs. In 15 dieser Fälle entdeckten sie besonders viele Veränderungen im Erbgut der Tumorzellen.
Bei genaueren Untersuchungen fanden sie bei fünf dieser Tumoren relevante Veränderungen im POLE-Gen. Und das ist noch nicht alles! Diese Erkenntnisse wurden durch weitere Untersuchungen und Daten des Universitätsklinikums Heidelberg bestätigt. Es zeigt sich also, dass Routinedaten aus der Krebsdiagnose wertvolle Hinweise auf seltene POLE-veränderte Tumoren liefern können, auch wenn der Mikrosatellitenstatus unauffällig ist. Die Hoffnung ist, dass auffällige Fälle gezielt weiter untersucht werden können, um Patientinnen und Patienten mit individuell abgestimmten Behandlungen, möglicherweise auch einer Immuntherapie, zu identifizieren.
Kombinationstherapien in der Onkologie
Ein weiterer spannender Bereich in der Krebsforschung sind die Kombinationstherapien. Diese Spielart der Behandlung ist besonders in der Onkologie etabliert – und das aus gutem Grund. Oft wirken Wirkstoffe zusammen besser als einzeln. Seit 2018 sind in Europa CAR-T-Zell-Therapien zugelassen, die körpereigene Zellen immunonkologisch einsetzen. Bisher sind sie für bestimmte hämatologische Krebsarten zugelassen, die von Blutzellen oder deren Vorläufern ausgehen. Aber auch die Erforschung des Einsatzes dieser Therapien zur Behandlung von Autoimmunerkrankungen wird intensiv verfolgt. Man kann sich nur wünschen, dass die Fortschritte in der Forschung auch bald den Patientinnen und Patienten zugutekommen.
Epidemiologische Daten und ihre Bedeutung
Übrigens, die Datenlage zur Krebsforschung in Deutschland wird kontinuierlich dokumentiert und ausgewertet. Epidemiologische Krebsregister spielen dabei eine entscheidende Rolle. Diese liefern Einblicke zur Häufigkeit, Prognose und Sterblichkeit von Krebs sowie zur Versorgung und Therapie. Im Rahmen des Nationalen Krebsplans wird auch die Krebsfrüherkennung besonders betont. Schließlich gilt es, den Eintritt einer Erwerbsunfähigkeit möglichst lange hinauszuzögern. Und wenn es um die Gesundheit geht, ist Prävention das A und O.
Die Entwicklungen und Erfolge aus Augsburg und darüber hinaus zeigen, dass das Zusammenspiel von Forschung, Diagnostik und Therapie immer weiter voranschreitet. Es bleibt spannend zu beobachten, wie diese Fortschritte in der Krebsbehandlung in der Zukunft konkret umgesetzt werden. Und vielleicht wird der nächste große Durchbruch nicht lange auf sich warten lassen!
