Heute ist der 27.06.2026, und in Aschaffenburg wird das Thema Sicherheit im öffentlichen Raum immer drängender. Erst kürzlich, am 2. April 2023, kam es zu einem besorgniserregenden Vorfall in einem ICE, als ein 20-jähriger Mann aus Aachen zwei Softair-Granaten in den Zug warf. Die Situation hat nicht nur mehrere leicht verletzte Passagiere zur Folge gehabt, sondern auch eine hitzige Debatte über die Früherkennung potenzieller Amokläufer entfacht. Der Täter wurde schließlich von einem Fahrgast und einem Zugbegleiter in der Toilette des Zuges eingesperrt, bevor die Bundespolizei ihn in Siegburg/Bonn festnehmen konnte. Bei dieser Festnahme stellte sich heraus, dass er ein Messer bei sich hatte, das er wahrscheinlich nutzen wollte, um Reisende nach der Explosion anzugreifen.

Ein solcher Vorfall wirft natürlich Fragen auf. Wie können wir solche Taten im Vorfeld verhindern? Das Bundeskriminalamt hat bereits Instrumente zur Früherkennung von rechtsextremen und islamistischen Attentätern entwickelt. Aber was ist mit Amokläufern, die keinen politischen oder religiösen Hintergrund haben? Hier kommt das Handlungs- und Prüfkonzept „PeRiskoP“ ins Spiel, das in Nordrhein-Westfalen implementiert wurde. Es zielt darauf ab, potenzielle Gefahren frühzeitig zu erkennen und Personen zu identifizieren, die noch nicht straffällig geworden sind, aber ein Risiko darstellen könnten. Interessanterweise war der 20-jährige Angreifer den Behörden bereits bekannt, jedoch wurde er nicht als erhöhtes Risiko eingestuft. Eine fatale Fehleinschätzung.

Früherkennung als Schlüssel zur Sicherheit

Das Konzept „PeRiskoP“ wurde seit 2022 flächendeckend in Nordrhein-Westfalen eingeführt und umfasst mittlerweile 47 Polizeipräsidien. Rund 7000 Prüffälle wurden bis heute erfasst, und erstaunliche 327 Personen wurden als „Personen mit Risikopotenzial“ eingestuft. Über 90% dieser identifizierten Personen konnten stabilisiert werden, sodass sie nicht mehr polizeilich auffallen. Der Prüfprozess erfolgt in drei Stufen: Beobachtungs- und Feststellungsbericht, vertiefte Recherche und Präventivgespräch, gefolgt von Fallkonferenzen bei erhöhtem Risiko. Das klingt vielversprechend, doch der Datenschutz bleibt eine große Herausforderung. Einige Netzwerkpartner zögern, mit der Polizei zusammenzuarbeiten, aus Angst um die Gesundheitsdaten ihrer Klienten.

Ein wichtiger Aspekt des Projekts ist der Austausch der Polizei mit anderen Behörden und Institutionen, wie Gesundheits- oder Jugendämtern. Das wird immer deutlicher, wenn man die Aussagen der Kriminalpsychologin Karolin Roshdi betrachtet. Sie warnt, dass der Fokus nicht nur auf der Suche nach Tätern liegen sollte, sondern vielmehr auf hilfsbedürftigen Menschen, die Warnsignale aussenden. Roshdi hebt hervor, dass 90 bis 95 Prozent der Amoktäter zuvor Anzeichen gezeigt hätten und begrüßt den Ansatz, durch koordinierte Früherkennung Taten zu verhindern. In einer Pilotphase wurde sogar ein Mensch identifiziert, der sich auffällig häufig über Amoktaten informiert hat, und ihm konnte rechtzeitig geholfen werden.

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Ein Blick nach Bayern

In Bayern gibt es bereits regionale Einrichtungen, die sich mit dem Thema Bedrohungsmanagement befassen. Es ist zu hoffen, dass diese Initiativen auch in anderen Bundesländern Nachahmer finden. Der Mangel an Kapazitäten für psychiatrische Behandlungen, insbesondere für Kinder und Jugendliche, ist eine weitere Herausforderung, die nicht ignoriert werden darf. Die Arbeit ist personalintensiv, aber durch ein Netzwerk von Fachleuten kann die Verantwortung auf mehrere Schultern verteilt werden. Es ist wichtig, diese hilfsbedürftigen Menschen nicht aus den Augen zu verlieren.

Es bleibt abzuwarten, wie sich die Entwicklungen in der Früherkennung potenzieller Amokläufer weiter gestalten werden. Eines ist jedoch sicher: Die Erfolge des „PeRiskoP“-Konzepts sind oft unsichtbar, da keine Taten stattfinden. Das ist zwar beruhigend, doch gleichzeitig muss die Gesellschaft wachsam bleiben. Nur so können wir verhindern, dass aus Andeutungen ernsthafte Bedrohungen werden.

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