Wasserwirtschaft im Fränkischen Rohrachtal: Einblicke in die Zukunft der ländlichen Entwicklung
Heute ist der 10.06.2026 und wir blicken auf eine spannende Exkursion zurück, die am 9. Juni in Pleinfeld und Heidenheim stattfand. 20 Referendare und ihre Ausbildungsleiter aus Bayern machten sich auf, um die interessante Zusammenarbeit zwischen Wasserwirtschaft und ländlicher Entwicklung im Fränkischen Rohrachtal zu erkunden. Der Ausgangspunkt dieser lehrreichen Reise war die Mandlesmühle in Pleinfeld, ein Ort, der nicht nur historisch ist, sondern auch als Infozentrum fungiert. Hier gibt es eine interaktive Ausstellung über die Wasserüberleitung, die die Teilnehmer in die tiefen Geheimnisse der Wasserwirtschaft einführte.
Die Abteilungsleiterin des Wasserwirtschaftsamts Ansbach, Helga Pfitzinger-Schiele, leitete die Gruppe durch die beeindruckenden Entwicklungen, die seit den 1970er-Jahren im Fränkischen Seenland vorangetrieben wurden. Das Infrastrukturprojekt hat sich als entscheidend für die Wasserversorgung Nordbayerns erwiesen und zielt darauf ab, den Hochwasserschutz im Altmühltal zu verbessern. Das Amt für Ländliche Entwicklung in Mittelfranken hat hierbei maßgeblich unterstützt, indem es bodenordnerische Maßnahmen in 34 Flurneuordnungs- und Dorferneuerungsverfahren auf über 34.000 Hektar durchgeführt hat.
Ein Vorzeigeprojekt für die Region
Ein zentrales Ziel dieser Maßnahmen ist die Regelung des Flächenbedarfs für die Seen, die Lösung von Landnutzungskonflikten und die Sicherung der Existenz der Landwirte. Die Region hat sich so zu einem Vorzeigegebiet für Naherholung und Tourismus entwickelt. Die Seen sind nicht nur Wasserspeicher, sondern auch ein Rückzugsort für Mensch und Natur. Gerade der Hahnenkammsee, der während des Besuchs auch auf dem Programm stand, hat allerdings mit Herausforderungen wie Blaualgen und Sturzfluten zu kämpfen. Hier kam das Projekt „boden:ständig“ ins Spiel, das seit 2018 zur problemlösenden Zusammenarbeit zwischen Landwirten und Fachbehörden führt.
Die Referendare konnten sich vor Ort überzeugen, wie durch Maßnahmen zur besseren Infiltration von Niederschlägen die Landschaft umgestaltet wird, um Wasser gezielt umzuleiten und versickern zu lassen. Ein beeindruckendes Beispiel dafür ist Hechlingen am See, wo vier Becken zur Wasserberuhigung installiert wurden. Auch die Balsenmühle bei Heidenheim, die in eine natürliche Wasserrückhaltfläche umgewandelt wurde, zeigt, wie kreative Lösungen zur Verbesserung der Wasserqualität und des Naturschutzes umgesetzt werden können.
Wasserwirtschaft als Gemeinschaftsprojekt
Ein Blick auf die Wasserüberleitung zwischen Altmühl und Donau zeigt, wie wichtig diese Projekte für die gesamte Region sind. Geplant ist ein Jahresdurchschnitt von 150 Millionen m³ Wasser, um die Unterschiede im Wasserangebot zwischen den Regionen auszugleichen. Während die Alpen und das Donaugebiet reichlich Niederschläge erhalten, kämpfen die trockeneren Gebiete, wie das fränkische Regnitz-Main-Gebiet, mit Wasserknappheit. Der Bayerische Landtag hatte bereits 1970 beschlossen, wasserbedingte Hemmnisse abzubauen, um ein ausgewogenes wasserwirtschaftliches Verhältnis zu schaffen.
Die Überleitungen, die seit 1971 im Bau sind und 2000 schließlich fertiggestellt wurden, umfassen beeindruckende Anlagen wie den Altmühlsee, den Brombachsee und den Rothsee. Diese Wasserflächen bieten nicht nur Lebensraum für über 200 Vogelarten, sondern auch Freizeitmöglichkeiten auf 20 Quadratkilometern Wasserfläche und 80 Kilometern Betriebswegen für Fußgänger und Radfahrer. Naturschutzgebiete, wie das rund 200 Hektar große Gebiet am Altmühlsee, sind dabei eine wichtige Ergänzung und stellen sicher, dass die Biodiversität erhalten bleibt. Außerdem wurden Maßnahmen zur Verbesserung der Wasserqualität implementiert, wie zum Beispiel die Ringkanalisation.
Die Exkursion der Referendare war nicht nur eine Lehrstunde über die Herausforderungen der Wasserwirtschaft, sondern auch ein eindrucksvolles Beispiel für die gelungene Zusammenarbeit von verschiedenen Fachbehörden und der Bevölkerung. Mit Fördergeldern von 160.000 Euro für die „boden:ständig“-Maßnahmen ist der Kostenumfang bisher überschaubar geblieben, und die positiven Effekte sind bereits spürbar. Es bleibt spannend zu beobachten, wie sich die Region weiter entwickeln wird und welche neuen Wege die Wasserwirtschaft in Zukunft einschlagen wird.
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