Die Rückkehr der ältesten Torarolle Süddeutschlands nach Amberg
In Amberg, einer Stadt, die reich an Geschichte und Tradition ist, wurde 2013 ein bemerkenswerter Schatz entdeckt: eine Torarolle, die als die älteste erhaltene ihrer Art in Süddeutschland gilt. Rabbiner Elias Dray, der in der Amberger Synagoge tätig ist, fand dieses einzigartige Stück jüdischer Kultur und Geschichte, das 1792 in Sulzbach-Rosenberg geschrieben wurde. Bei der damaligen Herstellung war Sulzbach-Rosenberg ein bedeutendes Zentrum für jüdische Literatur und Gebetstexte. Die Rolle besteht aus 30 zusammengefügten Tierhäuten, ist beeindruckende 24 Meter lang und 65 Zentimeter hoch – ein wahres Kunstwerk!
Die Geschichte der Torarolle ist von dramatischen Wendungen geprägt. Sie überstand gleich zwei einschneidende Ereignisse: den verheerenden Stadtbrand von 1822, bei dem mehr als ein Drittel Sulzbachs in Flammen aufging, und die Novemberpogrome 1938, die das jüdische Leben in Deutschland nachhaltig verwüsteten. Ein Hinweis eines NSDAP-Mitglieds bewahrte die Torarolle damals vor der Zerstörung, was heute wie ein kleines Wunder erscheint. Über die Jahre hinweg hat die Rolle jedoch gelitten; mehrere Pergamentseiten wurden beschädigt, und die Schrift verblasste stark. Daher durfte sie nicht mehr im Gottesdienst verwendet werden – ein Schicksal, das für viele Torarollen in ähnlichen Situationen typisch ist.
Die Entscheidung zur Restaurierung
Rabbiner Dray stand vor einer schwierigen Entscheidung: Statt einer rituellen Bestattung, die für nicht mehr verwendbare Torarollen üblich ist, entschied er sich für eine Restaurierung. Diese Entscheidung stellte sich als Glücksgriff heraus; die Bundesregierung übernahm die Restaurierungskosten, die auf 40.000 bis 50.000 Euro geschätzt wurden. So wurde die Torarolle nach Israel gebracht, wo nur spezialisierte Schreiber, sogenannte Sofer, in der Lage sind, diese heiligen Texte wiederherzustellen. Auf dem Rückweg nach Deutschland machte sie eine Zwischenstation in Berlin – ein Weg voller Symbolik.
Am 27. Januar 2021, dem Holocaustgedenktag, wurde die Torarolle bei einer feierlichen Zeremonie im Bundestag gewürdigt. Hier wurden die letzten acht Buchstaben, die in der Torarolle fehlten, ergänzt. Dies geschah durch den Sofer Rabbiner Shaul Nekrich mit einem Gänsekiel und koscherer Tinte. Die Zeremonie war besonders, nicht nur wegen der Anwesenden, darunter der damalige Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier und Bundestagspräsident Wolfgang Schäuble, sondern auch wegen der symbolischen Bedeutung – „Le-Ejnei Kol Israel“ („vor den Augen von ganz Israel“). Ein Moment, der die Geschichte dieser Rolle und die Verbindung zwischen Vergangenheit und Gegenwart unterstreicht.
Ein Film, der verbindet
Die Geschichte dieser bemerkenswerten Torarolle wird im Film „Die wundersame Rettung einer Tora“ erzählt. Hier kommen die heutigen Gemeindemitglieder verschiedener Generationen zu Wort sowie der Bürgermeister von Sulzbach-Rosenberg, der sich mit großem Engagement für die Wiederherstellung der ehemaligen Synagoge einsetzt. Diese wurde 1824 im klassizistischen Stil eingeweiht und galt als eine der schönsten Synagogen Bayerns. Sie überstand die Novemberpogrome unbeschädigt, da sie zuvor an die Stadt verkauft wurde, und wird nun als Heimatmuseum genutzt. Aber die Torarolle selbst, die einen zentralen Teil des jüdischen Lebens in der Region darstellt, kehrte nach Amberg zurück und soll dort wieder im Gottesdienst verwendet werden. Ein Schritt, der nicht nur die jüdische Gemeinde, sondern auch die gesamte Stadt mit ihrer Geschichte verbindet.
Am 27. Oktober 2026, heute, bleibt die Torarolle ein lebendiges Symbol für den Erhalt jüdischer Kultur und Identität in Bayern. Ihre Geschichte ist nicht nur die eines einzelnen Objekts, sondern ein Fenster in die bewegte Geschichte der jüdischen Gemeinden in Sulzbach-Rosenberg und Amberg. Möge ihr Licht auch weiterhin in der Gegenwart leuchten, und die Geschichten der Menschen, die sie begleitet haben, nie vergessen werden.
